"Ist Profhilo nicht einfach Hyaluron?" Diese Frage taucht im Beratungsalltag mehrmals pro Woche auf. Sie ist berechtigt: denn beides enthält Hyaluronsäure. Der Unterschied liegt aber nicht im Stoff, sondern in dem, was er im Gewebe macht. Und dieser Unterschied ist groß.
Kurze Antwort vorweg
Hyaluron-Filler füllt auf. Er gibt Volumen, wo Volumen fehlt: Lippen, Wangen, Kinn, Jawline. Profhilo baut um. Es regt die Haut an, selbst mehr Kollagen und Elastin zu produzieren. Mehr Spannkraft, bessere Textur, straffere Haut, aber kein zusätzliches Volumen.
Stellen Sie sich das so vor: Filler ist wie ein Kissen, das eine Form auffüllt. Profhilo ist wie eine Renovierung des Fundaments. Danach steht alles besser, ohne dass etwas hinzugefügt wurde.
Wie funktioniert ein Hyaluron-Filler?
Filler sind quervernetzte Hyaluronsäure-Gele. Die Quervernetzung ist entscheidend: Sie macht das Gel formstabil. Wird ein Filler in die Lippe injiziert, bleibt er dort, wo er platziert wird, und gibt genau dort Volumen. Er wandert nicht, er verteilt sich nicht, zumindest nicht bei guten Produkten und korrekter Technik.
Je nach Anwendung gibt es unterschiedlich feste Gele. Für Lippen kommt in der Praxis meist ein weiches Produkt zum Einsatz, für die Jawline ein festeres, für die Wangen etwas dazwischen. Die Haltbarkeit liegt bei sechs bis achtzehn Monaten, je nach Zone und Produkt.
Wie funktioniert Profhilo?
Profhilo enthält eine der höchsten Konzentrationen an Hyaluronsäure auf dem Markt: 64 mg in 2 ml. Aber es ist nicht quervernetzt. Das bedeutet: Es ist dünnflüssig und verteilt sich im Gewebe. Genau das ist gewollt.
Die Hyaluronsäure in Profhilo besteht aus einer Kombination von hoch- und niedermolekularen Ketten, die sich thermisch verbinden (nicht chemisch, wie bei Fillern). Im Gewebe angekommen, stimuliert diese Kombination die Bindegewebsvorläuferzellen: das sind die Zellen, die Kollagen und Elastin produzieren. Die Haut reagiert, indem sie sich von innen heraus umbaut. Mehr Kollagen heißt mehr Festigkeit. Mehr Elastin heißt mehr Spannkraft.
Man sieht das Ergebnis nicht sofort, sondern nach zwei bis vier Wochen. Und es sieht nicht "gemacht" aus, sondern einfach besser. Die Haut wirkt frischer, praller, gesünder.
Wann was?
In der Praxis richtet sich die Entscheidung meistens an drei Fragen aus:
Filler, wenn:
- Sie konkretes Volumen wünschen (vollere Lippen, definiertere Jawline, mehr Wangenvolumen)
- Sie eine bestimmte Form verändern möchten (Kinn projizieren, Nase begradigen)
- Sie ein Ergebnis wollen, das direkt nach der Behandlung sichtbar ist
Profhilo, wenn:
- Die Hautqualität das Problem ist (Elastizitätsverlust, dünner werdende Haut, fahler Teint)
- Sie kein Volumen wollen, sondern Straffung
- Sie im Hals- und Dekolletébereich behandeln möchten (hier sind Filler meistens ungeeignet)
- Sie ein subtiles Ergebnis wollen, das niemand bemerkt
Beides, wenn:
- Sie über 40 sind und sowohl Volumen als auch Hautqualität verbessern möchten
- Sie erst die Basis schaffen wollen (Profhilo) und dann gezielt Volumen setzen (Filler)
Die Kombination beider Behandlungen ist in der Praxis üblich. Ein typisches Beispiel: Eine Patientin Anfang 50 möchte frischer aussehen. Das Protokoll startet mit zwei Profhilo-Sitzungen, um die Hautqualität aufzubauen. Vier Wochen später wird gezielt Filler in die Wangen und die Nasolabialfalte gesetzt. Das Ergebnis ist natürlicher, als bei alleiniger Filler-Behandlung, weil die Haut darüber besser aussieht.
Die Behandlung im Vergleich
| Hyaluron-Filler | Profhilo | |
|---|---|---|
| Ziel | Volumen, Kontur | Hautqualität, Straffung |
| Ergebnis | Direkt nach Behandlung sichtbar | Nach 2–4 Wochen |
| Haltbarkeit | 6–18 Monate | 6–9 Monate |
| Sitzungen | 1 Sitzung | 2 Sitzungen (4 Wochen Abstand) |
| Zonen | Lippen, Wangen, Kinn, Jawline, Nasolabial, Schläfe | Gesicht, Hals, Dekolleté, Hände |
| Schmerzen | Gering (mit Betäubungscreme) | Minimal (10 Injektionspunkte) |
| Ausfallzeit | 0–2 Tage (leichte Schwellung) | Keine (evtl. kleine Quaddeln für wenige Stunden) |
Typische Beratungssituationen
Patientinnen, die zum ersten Mal zur Beratung kommen und "Hyaluron" wollen, meinen meistens Filler. Sie haben eine konkrete Vorstellung: vollere Lippen, weniger Nasolabialfalte, markantere Jawline. Das ist dann auch die richtige Behandlung.
Dann gibt es Patientinnen, die sagen: "Irgendwie sieht meine Haut müde aus, aber ich will nicht aufgespritzt aussehen." Solche Fälle werden meistens in Richtung Profhilo, Skinbooster oder Polynukleotide beraten. Die Veränderung ist subtiler, dafür sieht alles natürlich besser aus, ohne dass man genau sagen kann, was anders ist. Wie sich Profhilo und Polynukleotide im Detail unterscheiden, wird im separaten Vergleich erläutert.
Und manchmal braucht jemand in der Beratung weder das eine noch das andere, sondern eine Faltenbehandlung. Auch das kommt vor. Deshalb ist das Beratungsgespräch so wichtig: Erst nach Betrachtung des Gesichts und Klärung der Wünsche lässt sich sagen, was am meisten Sinn macht.
Ein letzter Gedanke
Die beste Behandlung ist die, die man nicht sieht. Ob Filler oder Profhilo, das Ziel ist das gleiche: Sie sollen besser aussehen, nicht anders. Welcher Weg dorthin der richtige ist, hängt von Ihrer Haut, Ihrem Alter und Ihren Wünschen ab. Nicht von einem Trend.
Quellen
- [1] Stellavato A, Corsuto L, D'Agostino A et al. Hyaluronan Hybrid Cooperative Complexes as a Novel Frontier for Cellular Bioprocesses Re-Activation. PLoS One. 2016;11(10):e0163510. PubMed: 27723763
- [2] Master M. Hyaluronic Acid Filler Longevity in the Mid-face: A Review of 33 Magnetic Resonance Imaging Studies. Aesthet Surg J Open Forum. 2024;6:ojae049. PubMed: 39015357
- [3] Cavallini M, Gazzola R, Metalla M, Vaienti L. The role of hyaluronidase in the treatment of complications from hyaluronic acid dermal fillers. Aesthet Surg J. 2013;33(8):1167-1174. PubMed: 24197934
Stand: Mai 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Individuelle Ergebnisse können variieren.